Biermarkt-Konsolidierung über den Röstigraben hinweg
Handelszeitung/Bilanz.ch vom 10.6.26
Mit der Expansion nach Zürich festigt die Waadtländer Brauerei ihre Stellung. Sie dürfte zu den Top 10 der Schweiz gehören.
Michael Heim
Der Inside-Spatz vom Paradeplatz hats schon ein wenig von den Dächern gepfiffen, jetzt ist es offiziell: Die Zürcher Brauerei Turbinenbräu wechselt in zwei Jahren nicht nur den Standort, sondern wird auch mehrheitlich in die Romandie verkauft.
Turbinen-Gründer Adrian Weber übergibt seine Aktien an die Brauerei Dr. Gab’s aus Puidoux VD, die in den letzten Jahren ein steiles Wachstum hingelegt hat. Nach dieser Akquisition wird sie mengenmässig wohl beim Club der zehn grössten Brauereiunternehmen der Schweiz anklopfen können.
Man werde beide Standorte und die Marken eigenständig weiterführen, sagt Reto Engler, Marketingleiter und Mitgründer von Dr. Gab’s zur Handelszeitung. Für die operative Leitung in Zürich suche man derzeit noch jemanden.
Konsolidierung in der Branche schreitet voran
Damit verlängert sich die Liste der Zusammenschlüsse in der Brauerei-Branche: Die Appenzeller Locher-Gruppe kontrolliert mittlerweile die Brauereien Boxer (Yverdon), Chopfab (Winterthur) und Egger (Worb); Falken (Schaffhausen) hat vor ein paar Jahren faktisch die Badener Müller übernommen, und die Berner Brauereien Rugen und Felsenau haben seit 2025 gemeinsame Aktionäre.
Wie viel Umsatz mit Turbinenbräu zu Dr. Gab’s stösst, will Engler nicht verraten. «Ich kann nur sagen, dass es weniger ist als bei uns.» Dr. Gab’s produziert rund 2,3 Millionen Liter Bier pro Jahr. Früheren Medienberichten zufolge verkaufte Turbinenbräu 1 bis 1,5 Millionen Liter.
Vom Hobby zur Regionalbrauerei
Die Brauerei aus Puidoux wurde erst 2010 als Hobby-Projekt von ein paar Studenten gestartet und hat dann Ende der Zehnerjahre stark zugelegt. In den letzten zwei Jahren spürte auch sie die Konsolidierung in der Branche mit einer starken Verschiebung hin zu alkoholfreien Bieren, auf die Dr. Gab’s mit eigenen Neulancierungen reagierte. Damit konnte sie den Absatz zuletzt mehr oder weniger stabil halten.
Der Blick über den Röstigraben ist für die Waadtländer indes nicht neu. Mit der Zürcher Brauerei Brauwolf haben sie schon mehrere gemeinsame «Röstigraben»-Biere gebraut. Künftig stösst dann vielleicht ein anderer Zürcher Partner dazu.